In Velbert wird es im Februar 2026 eine Weltpremiere geben. Zwei Kunstformen des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO werden auf einer Bühne wiedervereint.
Obwohl die heutige Form des Poetry Slam auf den ersten Blick wie eine junge, moderne Erscheinung wirkt, steht sie doch bei näherem Hinsehen in einer langen Tradition öffentlicher Dichter- und Sängerwettstreite. Schon im Mittelalter traten Dichter in sogenannten Dichterfehden gegeneinander an, um ihre sprachliche Kunst unter Beweis zu stellen. Besonders im 15. und 16. Jahrhundert entwickelten die Meistersinger diese Kultur weiter: Es handelte sich meist um Handwerker und Bürger, die in „Singschulen“ nach festen Regeln eigene Lieder und Gedichte vortrugen. Im 19. Jahrhundert fand die Idee der gemeinschaftlichen Aufführung in anderer Form neue Blüte: im Männerchor. Auch hier stand die Kunst nicht nur als Selbstzweck im Mittelpunkt, sondern war eng mit gesellschaftlicher Funktion verknüpft. Männerchöre traten in Wettbewerben auf, förderten Zusammenhalt und bürgerliches Selbstbewusstsein und pflegten zugleich ein kulturelles Erbe.
Der Poetry Slam führt viele dieser Traditionen in zeitgemäßer Weise fort. Wie bei den Meistersinger-Wettkämpfen treten Dichterinnen und Dichter gegeneinander an, allerdings mit freieren Regeln und stärkerer Gewichtung der individuellen Performance. Und wie bei den Männerchören wird Dichtung nicht im stillen Kämmerlein gepflegt, sondern als öffentliches Gemeinschaftserlebnis gestaltet. So spannt sich ein Bogen von den mittelalterlichen Dichterwettstreiten über die bürgerliche Chor- und Sängertradition bis in die Gegenwart, in der der Poetry Slam die alte Idee neu belebt: Dichtung als Wettbewerb, als Performance und als Ausdruck kultureller Gemeinschaft.
Um diese Verbindung der verschiedenen Traditionen an einem Abend zusammenzuführen, konnten die Sänger von Ars Cantica den bekannten Poetry Slammer Jan Schmidt für diese Weltpremiere gewinnen. Als mehrfacher Finalist der NRW-Meisterschaften und regelmäßiger Veranstalter von Poetry Slam- und Comedy-Shows in mittlerweile 15 verschiedenen Städten, bringt er die nötige Kenntnis mit, um Gemeinsam mit dem Meisterchor des Chorverbandes NRW diese neue Art der Pflege des kulturellen Erbes zu beginnen.
Am 21. Februar 2026 möchten die Akteure im Forum Niederberg ab 18:00 Uhr den großen Kreis schließen, und die beiden Kunstformen, die aus einer Quelle stammen, zum ersten Mal auf einer Bühne präsentieren.
Karten gibt es ab sofort bei den Sängern, in allen Vorverkaufsstellen von Neanderticket und auch direkt online unter:
